Schützenheim

Der Schießstand ist unser Schützenheim

Anfang der 1960er Jahre beantragte die damalige Bezugs- und Absatzgenossenschaft die Bewilligung eines Betriebsgebäudes auf dem Gelände des alten Schießstandes südlich des Gasthofes Dollinger, das mittlerweile im Gemeindebesitz stand. Dem standen natürlich die Überschießungsrechte der Gilde entgegen. Im Gegenzug für die Löschung dieser Rechte wurden in Verhandlungen mit Gemeinde und BAG durch Abschlagszahlungen, Grundstücksablösen, Sachzuwendungen und Anschlussgebührenbefreiungen die Voraussetzungen für die Errichtung eines neuen Zimmergewehr-Schießstandes geschaffen.

Die Vollversammlung von Gilde/Kompanie fasste schließlich am 13.09.1960 den Beschluss, auf die Überschießungsrecht zu verzichten, die Ablöseangebote anzunehmen und ein Schützenheim mit angeschlossenem Zimmergewehr-Schießstand zu errichten. Nach Erteilung der Baubewilligung konnte im Frühjahr 1961 mit den Arbeiten begonnen werden. Dabei wurden bis zur Fertigstellung ca. 300 freiwillige Schichten durch die Mitglieder geleistet, an Materialkosten vielen rd. ATS 220.000,00 an, die großteils über Kreditaufnahmen finanziert und wiederum durch persönliche Bürgschaften der damaligen Ausschussmitglieder besichert werden mussten.

Einweihung des Schießstandes am 17.05.1964
Einweihung des Schießstandes am 17.05.1964

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Der Schießstand heute – ein Schützenheim und Heimat der Axamer Schützen

1964 war der Neubau bezugsfertig, aus finanziellen Gründen änderte man aber nochmals die Nutzung: Der ursprünglich vorgesehen Aufenthaltsraum samt Büro wurde an die Gendarmerie vermietet, um eine fixe Einnahmequelle zur Schuldentilgung zu haben, ein neuer Kugelfang musste angebaut werden.

Eröffnung des Schießstandes 1964

Am 17.05.1964 konnte schließlich der Schießstand im noch heute bestehenden Gebäude eingeweiht und eröffnet werden, nach dem Auszug der Gendarmerie wurde aus den Amtsräumen eine Wohnung, die derzeit vermietet ist. Die Schulden aus dem Projekt konnten schließlich mit zwei Zeltfesten 1974 und 1976 endgültig rückbezahlt werden.

Die Gilde/Kompanie verfügte also durch den großartigen Einsatz aller Mitglieder über ein eigenes – nunmehr schuldenfreies – Grundstück samt Schießstandgebäude und Wohnung (samt WC-Nutzungsrecht durch die Schießstandbenützer!). Mitte der 1990er Jahre waren dann erste Sanierungsarbeiten notwendig (Vollschalung, Innenumbau Küche und eigens WC) sowie der Ersatz der handbetriebenen Schießstände durch elektrische Scheibenzuganlagen und einem elektronischen Auswertesystem. 2007 wurden dann noch die Fenster getauscht und die Beleuchtung erneuert.

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Tiroler Adler: Eine beim Umbau des Schießstandes entdeckte Malerei

Nachdem sich das „Doppelsystem Gilde/Kompanie“ organisatorisch überholt hatte, da die Schützenkompanie seit  2003 ein eigener Verein (vorher Teilorganisation des Bundes der Tiroler Schützenkompanien) war, wurden 2009 die Agenden der Gilde an die Georg-Bucher-Schützenkompanie übertragen und die Gilde formal aufgelöst.

2013 – 2016 und von 2020 – 2022: Umfassende Renovierung des Schießstandes

Von 2013 bis 2016 wurden umfassende Sanierungen des in die Jahre gekommenen Gebäudes vorgenommen, der Zubau wurde abgerissen und neu errichtet, mit der Mauertrockenlegung begonnen und der bisher außerhalb der Schießzeiten ungenutzte Schießstandraum durch ein technisch ausgeklügeltes System in einen multifunktionalen Kameradschaftsraum umgebaut, der bereits in etwas andrer Form im ursprünglichen Bauplan von 1960 enthalten war. Der Auswertungsraum erhielt 2016 einen neuen Estrich und wurde, wie der der Kameradschaftsraum, verfliest. Auch alle diese Arbeiten konnten wieder mit großem Fleiß und Einsatz großteils durch die eigenen Mitglieder umgesetzt werden. Viele Gönner und Sponsoren trugen das ihre dazu bei.

Jetzt läuft der Umbau weiter und biegt in die Zielgerade!

Aktuell schließen die Axamer Schützen die zweite Phase des Umbaus ab. Diese wurde trotz der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 gestartet und soll bis Herbst 2022 abgeschlossen sein. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung am Seelen-Sonntag 2022 soll der neue Schießstand als Schützenheim offiziell „wiedereröffnet“ werden. Ein herzliches Dankeschön gilt der Gemeinde Axams für die finanzielle Förderung dieses Bauprojektes, als auch allen freiwilligen HelferInnen und den beteiligten Baufirmen!

Mit den mittlerweile bei der Bevölkerung sehr gut angenommen offenen Vereinsschießen öffnet sich der Schießstand auch für die Allgemeinheit und verbindet Tradition mit sportlichem Ehrgeiz und geselligem Beisammensein.

Die neue Fassade des Schießstandes in der Lizumstraße

Quellen:
HOLZKNECHT Christian, Hauptmann
BUCHER Karl, Axamer Schützenchronik, 1988
STEINLECHNER Franz, Chronik des Landeschützenbundes Tirol, 1979
SAURER Thomas, Pressereferent